Gastroenteritis

10.1 Definition
Als Gastroenteritis – umgangssprachlich Magen-Darm-Grippe genannt wird eine entzündliche Erkrankung des Magens und des Dünndarms bezeichnet, welche meist durch eine Infektion hervorgerufen wird.
Ist nur der Dünndarm befallen, wird von einer Enteritis gesprochen, bei alleinigem ickdarmbefall spricht man von einer Kolitis. Eine Kombination aus Dünndarm- und Dickdarmbefall wird als Enterokolitis bezeichnet.
Eine Sonderform der Gastroenteritis ist die Reisediarrhoe (Reisedurchfall; Synonyme: Turista, Montezumas Rache, Delhi-Bauch). Man spricht von einer Reisediarrhoe, wenn sich die Stuhlkonsistenz während einer Reise oder bis zu zehn Tage nach Rückkehr verändert und mehr als drei Darmentleerungen mit breiig-flüssigem Stuhl pro Tag auftreten. Meist handelt es sich um eine milde, selbstlimitierende Diarrhoe, die nach 3-5 Tagen sistiert (nicht mehr weiter fortschreitet).

10.2 Ursachen
1- Infektiös: Bakterien, Viren
2- Allergisch: Nahrungsmittelallergene
3- Toxisch: Bakterientoxine, Giftstoffe
Eine durch Toxine ausgelöste Gastroenteritis bezeichnet man auch als Lebensmittelvergiftung. Eine infektiöse Gastroenteritis kann durch eine Vielzahl von Krankheitserregern verursacht werden:

 Salmonellen
 Campylobacter jejuni
 Yersinien
 Escherichia coli
 Shigellen
 Rotaviren
 Noroviren
 Weitere Erreger (Entamoeba histolytica, Giardia lamblia, Cryptococcus neoformans)

10.3 Pathogenese
Die bakteriellen Infektionen, die die Gastroeneritiden verursacht werden, können in drei Gruppen eingeteilt werden:
1- Sekretionstyp
wässrig Diarrhö
Vibrio cholerae, Giardia lamblia, Escherichia coli, Staphylococcus aureus und Bacillus cereus (Enterotoxikosen)
2- Penetrationstyp
wässrig, (leicht) blutig Diarrhö
Salmonellen, Yersinien
3- Invasionstyp
blutig-schleimige Durchfälle
Shigellen, Campylobacter jejuni, Entamoeba histolytica, Clostridium difficile

10.4 Symptome – Beschwerden
 Diarrhoe (Durchfall; meist wässrige Durchfälle: Stuhlfrequenz: > 3 Stühle/Tag bzw. mindestens 2 Stühle mehr als üblich)
 Krampfartige Bauchschmerzen
 Blut im Stuhl (Hämatochezie)
 Schleim im Stuhl
 Erbrechen*, Nausea (Übelkeit)
 Fieber*
 *Erbrechen und Fieber können der Diarrhoe vorhergehen, folgen oder auch fehlen. Bei schwallartigem Erbrechen und Auftreten in den Wintermonaten ist an eine Norovirus-Gastroenteritis (Magen-Darm-Infektion durch das Norovirus) zu denken!
 Typischerweise gibt es bei einer Gastroenteritis eine Inkubationszeit von mehr als 6 Stunden.

10.5 Differentialdiagnosen
 Colitis ulcerosa – chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Dick- und Mastdarm)
 Diversionscolitis − nach operativer Stilllegung von Darmabschnitten auftretende Erkrankung
Divertikulitis − Erkrankung des Dickdarmes, bei der sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) eine Entzündung bildet
 Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit) – Auftreten von Diarrhöen (Durchfälle) z. B. nach Apfelsaft oder Smoothies aus fruktosereichen Obstsorten (Durchfallstühle)
 Infektiöse Colitis − Darmentzündung durch Bakterien, Viren oder Parasiten wie beispielsweise Salmonellen
 Ischämische Colitis − Darmentzündung durch ungenügende Versorgung des Darms mit Nährstoffen und Sauerstoff
 Mikroskopische Kolitis oder mikroskopische Colitis – chronische, etwas atypisch ablaufende Darmschleimhautentzündung, deren Ursache unklar ist und die klinisch mit heftiger wässriger Diarrhoe (Durchfall) einhergeht/4-5-mal täglich, auch nachts; einige Patienten leiden dazu unter Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen); 75-80 % sind Frauen/ Frauen > 50 Jahre; die korrekte Diagnose ist nur mit Koloskopie (Darmspiegelung) und Stufenbiopsien (Entnahme von Gewebeproben in den einzelnen Dickdarmabschnitten), d. h. durch eine histologische (feingewebliche) Untersuchung zu stellen.
 Beachte: Bei Erstdiagnose der MC sollte ein Zöliakiescreening erfolgen.
 Morbus Crohn – chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED); sie verläuft meist in Schüben und kann den gesamten Verdauungstrakt befallen; charakterisierend ist der segmentale Befall der Darmmukosa, das heißt es können mehrere Darmabschnitte befallen sein, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind.
 Morbus Whipple − seltene systemische Infektionskrankheit; ausgelöst durch das grampositive Stäbchenbakterium Tropheryma whippelii (aus der Gruppe der Aktinomyzeten), das neben dem obligat betroffenen Darmsystem verschiedene andere Organsysteme befallen kann und eine chronisch-rezidivierende Erkrankung ist; Symptome: Fieber, Arthralgie (Gelenkschmerzen), Störungen der Gehirnfunktion, Gewichtsverlust, Diarrhoe (Durchfall), Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen) u.v.m.
 Nahrungsmittelallergie
 Reizdarmsyndrom (Colon irritable)
 Strahlencolitis − Erkrankung, die nach Bestrahlungen, vor allem im Rahmen einer Krebstherapie, auftreten kann

10.6 Therapie
In den meisten Fällen gibt es eine Spontanremission innerhalb von 24 Stunden.
1-Rehydration: Viel trinken (Tee) und Orale Rehydratationslösungen (ORL)
2- Leichtes Essen
3- Medikamentöse Therapie
:
•Antibiotika werden nur in folgenden Fällen eingesetzt:

  1. a) Bei Frühgeborenen
    b) Im ersten Drittel der Schwangerschaft
    c) Bei Menschen mit bekannter Immunschwäche
    d) Bei schweren Krankheitsverläufen
    e) Beim Auftreten blutiger Durchfälle
    f) Beim Nachweis von Erregern wie Salmonella typhi, Vibrio cholerae

10.7 Anamnese
 Könnten Sie bitte mir sagen, wo die schmerzen genau sind? (wo genau die schmerzen?) (Sagen Sie oder zeigen Sie mir, wo die Schmerzen Am stärksten sind?)
 Haben Sie die schmerzen langsam oder plötzlich begonnen?
 Sind die Schmerzen dauerhaft da, oder gehen Sie auch wieder weg?
 Könnten Sie bitte die Schmerzen genauer beschreiben, sind die Schmerzen eher dumpf, stechend, brennend, drückend, pulsierend, kolikartig?
 Strahlen die Schmerzen in andere körperteile aus?
 Wie haben sich die Schmerzen im Laufe der Zeit verändert?
 Wann treten die Schmerzen auf, Tagsüber oder in der Nacht?
 Wann treten die Schmerzen auf, bei Belastung oder in Ruhe?
 Gibt es bestimmte Auslöser für die Schmerzen?
 Gibt es etwas, dass die Schmerzen lindert oder verstärkt?
 Sind Sie abhängig von äußeren Faktoren wie Ernährung, Stress, Wetter?
 Sind die Schmerzen abhängig von der Atmung?
 Was haben Sie ausprobiert, um die Schmerzen zu lindern?
 Haben Sie Schmerztabletten eingenommen? Hat das Ihnen geholfen?
 Haben Sie Magenschutztabletten eingenommen? Hat das Ihnen geholfen?
 Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10, wenn 1 sehr leicht und 10 sehr stark ist?
 Haben Sie nächtliche Schmerzen, von denen Sie wach werden?

Assoziierte Symptome
Treten neben den Bauchschmerzen noch weitere Symptome (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall,
Verstopfung, Blähungen, Schluckbeschwerden, Sodbrennen) auf?

(1) Haben Sie Fieber?
(2) Ist Ihnen Übel? Haben Sie erbrochen?
(3) Fühlen Sie sich Müde oder abgeschlagen?
(4) Haben Sie vermehrte Gelenkschmerzen?
(5) Haben Sie Hautveränderung (Rotfärbung oder Geschwürbildung) bemerkt?
(6) Haben Sie Augenerkrankungen wie Entzündungen festgestellt?
(7) Haben Sie in letzter Zeit häufiger Mundfäule bemerkt?
(8) Haben Sie Schwierigkeiten und Schmerzen beim Schlucken?

Gastroenteritis oder Allergien (falls der Durchfall akut ist)
1) Haben Sie beobachtet, dass die Aufnahme von speziellem Lebensmittel zu den Schmerzen
führt?
** Haben Sie bemerkt, dass die Bauchschmerzen nach dem Essen von fetthaltigen Lebensmitteln
zugenommen haben?
2) Haben Sie in den letzten Stunden etwas Speziellen gegessen? Wie Pilze, Eier, Mayonnaise oder
Hühnerfleisch?

3) Sind Sie auf bestimmte Lebensmittel allergisch?

 Haben Sie Brustschmerzen?
 Haben Sie gynäkologische Auffälligkeiten (z. B. Dysmenorrhoe/Regelschmerzen; ausgebliebene Regel)?
 Haben Sie noch weitere Beschwerden?
 Haben Sie die gleichen Beschwerden früher gehabt?

Familienanamnese

 Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand Ihrer Angehörigen?
 Gibt es in Ihrer Familie Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, die häufig vorkommen?

Soziale Anamnese

 Leben Sie in einer Wohngemeinschaft oder Einrichtung?
 Waren Sie in der letzten Zeit im Ausland? Wenn ja, wo? (Tropenaufenthalt?)

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

 Seit wann haben Sie Durchfall?
 Geben Sie bitte die Häufigkeit in den letzten 24 Stunden an.
 Beschreiben Sie bitte die Stuhlbeschaffenheit und Volumen.
 Haben Sie Blut* und/oder Schleim im Stuhl?
 Treten die Beschwerden in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme auf?
 Haben Sie erbrochen?
 Falls ja – wie oft in den letzten 24 Stunden?
 Haben Sie Fieber?
 Leiden Sie unter begleitenden Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen etc.?
 Haben Sie weitere Beschwerden außerhalb des Verdauungssystems?
 Wie hat sich bei Ihnen die Trinkmenge verändert? (normal oder vermindert?)
 Falls es sich um einen Säugling handelt: Wird das Kind noch gestillt?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

 Sind Sie untergewichtig? Geben Sie bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße
(in cm) an.
 Hat sich Ihr Appetit verändert?
 Haben Sie ungewollt Körpergewicht verloren?
 Haben Sie in der letzten Zeit rohe Lebensmittel (z. B. Rohmilchprodukte, nicht gares Fleisch oder Eier) gegessen?
 Haben Sie Apfelsaft oder Smoothies aus fructosereichen Obstsorten getrunken?
 Ernähren Sie sich ausgewogen?
 Sind Ihnen Veränderungen beim Wasserlassen (Menge, Aussehen, Geruch) aufgefallen?
 Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?

Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese

 Vorerkrankungen (Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Immunschwäche)
 Operationen
 Strahlentherapie
 Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Medikamentenanamnese

 Antibiotika – eine nicht adäquate und ungezielte Antibiotika-Behandlung kann zu einer
Verschiebung der Darmflora und damit in der Folge zu Enteritiden (Darmentzündungen)
führen

Welche medikamentösen Maßnahmen wurden in den letzten 24 Stunden durchgeführt?

 Glucose-Elektrolytlösungen [ja/nein]
 Fieberzäpfchen (bei Säuglingen/Kindern) [ja/nein]
 Welche weiteren Maßnahmen wurden getroffen?

10.8 Der Fall
Herr Thomas Mayer ,59-jähriger Patient, der sich bei uns wegen seit gestern bestehender, zunehmender, plötzlich aufgetretener und diffuser Abdominalgie und Cephalgie vorstellte. Laut der Aussage des Patienten seien diese Schmerzen ihm aufgewacht.
Außerdem klagte er über Nausea, Emesis (2-mal) und Diarrhö (9-mal), aber ohne Hämatmesis und
Hämatochezie, sondern Wässrig und flüssig.
Die Schmerzen hätten keine Ausstrahlung, aber seien in ganzen Bauch gewandert.
Er wurde nicht ärztlich behandelt, aber er habe zu Hause Cola, Tee und ORS (Oral Rehydration Solution) eingenommen, aber ohne Verbesserung.
Nach Fragen erwähnte er, dass er gestern mit seinem Freund in einem Restaurant Pizza gegessen habe.
VA:
Die vegetative Anamnese ist unauffällig bis auf Inappetenz.
Keine Reise im Ausland und er sei vollständig geimpft und drei Mal gegen COVID-19.

Vorerkrankungen und Operationen:
 Link Clavicula Fraktur =L. Schlüsselbein fx. vor 3 Jahren
 Pneumonie = Lungenentzündung vor 3 Jahren
 Magenschmerzen seit langer Zeit
 Meningitis = Hirnhautentzündungen wegen Borreliose vor 10 Jahren
 Unterschenkelfraktur wegen eines Unfalls vor 13 Jahren


Allergien:

 Birkenpollen
 Haselnüsse (Rhinokonnjunktivitis)

Noxen:
er sei Nichtraucher, aber 10 Jahre lang habe er 20 Zigaretten pro Tag geraucht.
Alkohol gelegentlich
Medikamente:
Pantoprazol 20 mg bei Bedarf.
Familienanamnese:
Die Mutter sei 83 Jahre und leide an Demenz.
Der Vater sei mit 55 Jahren an Apoplex = Schlaganfall gestorben.
Keine Geschwister
2 gesunde Kinder
SA:
Koch von Beruf und kein Stress bei der Arbeit und treibe keinen Sport.
Verdacht Diagnose: Gastroenteritis

DD:

 Reizdarmsyndrom
 Kolitis
 Intoxikation = Vergiftung
 Viren Infektionen wie Grippe usw.


Dehydration:

 Durst
 trockene Haut und Schleimhäute
 konzentrierter, dunkelgelber Urin
 eingesunkene Augen
 stark verminderte Harnausscheidung (Oligurie)
 Herzrasen (Tachykardie)
 niedriger Blutdruck (Hypotonie)
 stehende Hautfalten: Bildet man mit zwei Fingern eine Hautfalte (etwa am Handrücken) und lässt diese dann los, glättet sich die Falte nicht sofort, sondern erst nach einigen Sekunden.

Behandlung:

1-Rehydration: Viel trinken (Tee) und Orale Rehydratationslösungen (ORL)
2- Leichtes Essen

Antibiotikum für G/E
Ciprofloxacin?

Antibiotika werden nur in folgenden Fällen eingesetzt:
a) Bei Frühgeborenem
b) Im ersten Drittel der Schwangerschaft
c) Bei Menschen mit bekannter Immunschwäche
d) Bei schweren Krankheitsverläufen
e) Beim Auftreten blutiger Durchfälle
f) Beim Nachweis von Erregern wie Salmonella typhi, Vibrio cholerae

Ursachen für G/E

  1. 1- Infektiös: Bakterien, Viren
    2- Allergisch: Nahrungsmittelallergene 3- Toxisch: Bakterientoxine, Giftstoffe

 Eine durch Toxine ausgelöste Gastroenteritis bezeichnet man auch als Lebensmittelvergiftung.

 Eine infektiöse Gastroenteritis kann durch eine Vielzahl von Krankheitserregern verursacht werden:

  • Salmonellen
    • Campylobacter jejuni
    • Yersinien
    • Escherichia coli
    • Shigellen
    • Rotaviren
    • Noroviren
    • Weitere Erreger (Entamoeba histolytica, Giardia lamblia, Cryptococcus
    neoformans)

Laboruntersuchungen:
 Blutbilt
 Stuhlanalyse


Körperliche Untersuchungen für G/E:
Auskultation: Darm Geräusche, Herzrasen (Tachykardie)
Palpation
Hinweis auf Dehydratation: eingesunkene Augen, stehende Hautfalten, niedriger Blutdruck (Hypotonie)
 
Borreliose

 Zeckenstich, Die Erreger der Borreliose = das Bakterium Borrelia burgdorferi
 In deutlich geringerem Umfang können Stechmücken und Pferdebremsen als Vektoren für Borrelien dienen.

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