Wundrose (Erysipel)
15.1 Definition
Beim Erysipel – umgangssprachlich Wundrose genannt – (ICD-10-GM A46: Erysipel [Wundrose]) handelt es sich um eine akut auftretende, nicht purulente (eitrige), bakterielle Infektion der Haut und des Subkutangewebes (Unterhaut), die im überwiegenden Fall durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (GAS (Gruppe A-Streptokokken); Streptococcus pyogenes) hervorgerufen wird.
Sie geht von einem Hautdefekt aus und breitet sich unter der Epidermis (Oberhaut) in den Lymphgefäßen sowie im Bindegewebe aus. Das Erysipel zeigt sich als scharf begrenzte starke Rötung.
Der Eintritt des Erregers erfolgt parenteral (der Krankheitserreger dringt nicht über den Darm ein), d. h. hierbei, er gelangt über kleine Risswunden in der Haut, Ekzeme oder Interdigital-Mykosen (Zehenzwischenraum-Pilzinfektion) in den Körper (= perkutane Infektion).
Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt in der Regel wenige Stunden bis zu 2 Tage.
15.2 Symptome – Beschwerden
Leitsymptome
Scharf begrenzte stark ausgeprägte helle und schmerzhafte Hautrötung über Hautniveau (im Regelfall asymmetrisch auftretend)
o Flammenförmige Ausläufer
o Beschränkung auf die Epidermis (Oberhaut) und Dermis (Lederhaut) (keine oder oberflächliche Beteiligung der Subkutis (Unterhaut)) [1]
Blasenbildung möglich (bullöses Erysipel); liegen Einblutungen vor spricht man von einem hämorrhagischen Erysipel (ggf. bullös-hämorrhagisches (blasenbildend-blutendes) Erysipel); beim hämorrhagischen Erysipel kann nach dem Abheilen der Blasenzone eine Vernarbung auftreten, die zu einer bleibenden bräunlichen Hautverfärbung durch eingelagerte Hämosiderin (Häm = roter Blutstoff) führt
Ggf. Pruritus (Juckreiz)
Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung)
Allgemeinsymptomatik mit hohem Fieber (s. u. Begleitsymptome), Kopfschmerzen,
starkem Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen
Begleitsymptome (bei systemischer Entzündungsreaktion)
Hohes Fieber, Schüttelfrost; ggf. auch Hypothermie
Herzfrequenz > 100 Schläge/min
Hypotension (niedriger Blutdruck; syst. RR (systolischer Blutdruck) < 90 mmHg oder 20 mmHg unter Ausgangsniveau)
Lokalisation
Gesicht, Arme oder Beine (insb. Unterschenkel); seltener am Nabel
Bei Erwachsenen sind überwiegend die unteren Extremitäten betroffen; Kinder haben häufiger ein Gesichtserysipel.
15.3 Differentialdiagnosen
Akute Kontaktdermatitis
Begrenzte Phlegmone – diffuse Entzündung des Bindegewebes, die sich unter der Haut weiter ausbreitet
Chronisch venöse Insuffizienz (CVI) mit Stauungsekzem und Hypodermitis
Phlebitis (Venenentzündung)
Tiefe Beinvenenthrombose (TBVT)
Erysipeloid (Schweinerotlauf)
Erythema chronicum migrans (erste Stadium der Borreliose)
Phlegmone – sich diffus ausbreitende, eitrige Weichteilinfektion
15.4 Ursachen
Beim Erysipel handelt es sich um eine akut auftretende, nicht purulente (eitrige), bakterielle Infektion der Haut und des Subkutangewebes (Unterhaut), die durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes), seltener der Gruppe C oder G, und nur in Ausnahmefällen – v. a. bei Neugeborenen – der Gruppe B hervorgerufen wird.
15.5 Diagnostik
Kleines Blutbild [Leukozytose/Erhöhung der Anzahl von weißen Blutkörperchen mit Neutrophilie/erhöhte Zahl von neutrophilen Granulozyten im Blut]
Differentialblutbild
Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. PCT (Procalcitonin) [↑]
Blutkulturen – bei Hinweis auf eine systemische Entzündungsreaktion [Erregernachweis gelingt in weniger als 10 % der Fälle]
Anti-DNAse B (Streptokokken-Antikörper)
D-Dimere – Akutdiagnostik bei Verdacht auf frische Venenthrombose (s. a. unter "Körperlicher
Untersuchung" Wells-Score zur Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer
Venenthrombose, TVT)
Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin
Creatinkinase (CK) – bei Hinweis auf eine systemische Entzündungsreaktion bzw. bei Verdacht
auf eine tiefsitzende/nekrotisierende Weichgewebsinfektion
Duplexsonographie (TVT)
15.6 Therapie
Sofortige Antibiose (Antibiotikatherapie: Penicillin, Mittel der ersten Wahl);
Therapiedauer: oral über zehn Tage (-14 Tage); auch leichtere Fälle sollten mindestens 7 Tage behandelt werden
Andere Antibiotika in Abhängigkeit von: z. B. Penicillinallergie, V. a. S. aureus(-Mitbeteiligung), V. a. Gram-negative Erreger (-Mitbeteiligung)
Antiseptische Therapie (keimreduzierend und -bekämpfend) der Eintrittspforte, z. B. Braunovidon-Salbe, Povidon(PVP)-Jod, Polyhexanid; feuchte Umschläge mit Kaliumpermanganat-Lösung
Symptomatische Therapie: Antipyretika (fiebersenkende Medikamente/Analgetika (Schmerzmittel: z. B. Paracetamol; ggf. auch Antipruriginosa (juckreizlindernde Medikamente)
Supportive Therapie (unterstützende Therapie): Hochlagern, ruhigstellen und kühlen und ggf. Kompressiontherapie der betroffenen Extremität
Rezidivprophylaxe des Erysipels: Penicillin V, Benzathin-Penicillin G, Erythromycin; ggf. auch Clarithromycin
Hinweis: Von einem rezidivierenden Erysipel spricht man, wenn ≥ 2 Episoden in drei Jahren auftreten.
15.7 Anamnese
Familienanamnese
Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand Ihrer Angehörigen?
Soziale Anamnese
Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)
Haben Sie Veränderungen an der Haut festgestellt?
Wo ist die Hautveränderung lokalisiert?
Wie sieht die Hautveränderung aus? Ist die Haut gerötet?
Ist diese Rötung scharf begrenzt?
Juckt diese Stelle?
Ist Ihnen eine Vergrößerung der Lymphknoten aufgefallen?
Leiden Sie zusätzlich unter Fieber, Kopf-, Gelenkschmerzen?
Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese
Sind Sie übergewichtig? Geben Sie uns bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre
Körpergröße (in cm) an.
Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese
Vorerkrankungen (Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauferkrankungen, Adipositas)
Operationen
Strahlentherapie
Allergien
Medikamentenanamnese
15.8 Der Fall
Herr Schmidbauer ist ein 56 jähriger Patient, der sich heute wegen seit gestern bestehender progredienter linksseitiger Schwellung und Schmerzen im Unterschenkel bei uns in der Notaufnahme vorgestellte.
Der Patient sagte, dass die Beschwerden im Lauf der Zeit schlimmer geworden seien.
Er versuchte mit Ibuprofen, die Schmerzen zu lindern, aber es habe ihm ein wenig geholfen.
Außerdem erzählte Herr Schmidbauer, dass er sich gestern bei der Gartenarbeit mit einem Nagel an der linken Wade verletzt habe.
Die Wunde sei aber nicht medizinisch versorgt worden und er sei nicht zum Hausarzt gegangen.
Herr Schmidbauer gab an, unter einem auftretenden Erythem am linken Unterschenkel zu leiden.
Laut der Aussage des Patienten bestehen folgende Begleitsymptome:
Fieber (38.8 Grad Celsius) seit heute Morgen, Druckgefühl und Überwärmung = Calor in der linken Wade sowie Inappetenz wegen der Schmerzen.
Die Fragen nach Tachykardie und Vertigo wurden verneint. `
Vorerkrankungen und Krankenhausaufenthalte:
- Variköses = Krampfader leider
• arterielle Hypertonie
• Hyperthyreose = Schilddrüsenüberfunktion
Familienanamnese:
• Mutter leide an arterielle Hypertonie
• Vater leide an Diabetes mellitus
Vegetative Anamnese:
• Temperatur: 38.8 Grad Celsius
• Schlaf: normal
• Appetit: Inappetenz
• Stuhlgang: Obstipation seit Langem
• Miktion: keine Beschwerden
Psyche:
nervös wegen der Beschwerden
Verdacht Diagnose und Differentialdiagnose: Erysipel
Weiteres vorgehen:
Frage von Patienten:
nach der Diagnose und den weiteren Untersuchungen
KU: puls tastbar, Geschwür (klinische Diagnose)
Labor: CRP BSG BB Leukozyten
AA:
Was ist die Behandlung im Allgemeinen?
Es ist ein Antibiotikum hochdosierte Gabe von Penicillin V oder Cephalosporinen
Sie haben mich nach dem Impfstoff fragen?
Und er fragte mich, was ich für den Patienten aus den Tests tun werde?
Was werde ich dem Patienten raten?
Er sollte sofort zum Arzt gehen, nachdem er sich verletzt hat.
Mit Patienten*in besprochene Untersuchengen:
körperliche Untersucheng
Blutuntersuchung
- Erysipel: ist eine Hautinfektion, die zumeist durch Streptococcus Pyogenes verursacht
wird.